Sonntag, 28. April 2013
9. Reisetag, Freitag, 26. April
flieger1962, 20:24h
Um 8:00h sind wir aufgewacht. Wir waschen uns und packen unsere Reisetaschen. Danach gehts zum Frühstücken, da wir spätestens um 9:30 auf dem Radel sein wollen. Ich trinke Kaffee, Susi trinkt Tee. Wir bestellen uns noch ein Frühstücksei (weich) und bekommen ein sehr hartes Ei, egal wir essen alles. Frisch gestärkt hol ich die Radel aus dem Radelkeller und packen unsere Reisetaschen drauf. Ich setz mich auf mein Fahrrad und trete in die Pedale. Das Radelfahren fühlt sich heute ganz anders an wie sonst, irgendwie so hart. Aha ich hab einen Platten. Kein Problem, ich hab ja ein komplettes Werkzeug - Set und 2 Päckchen Flickzeug dabei. Jetzt kann ich bei Susi richtig Eindruck schinden. Ich sag Susi, kein Problem ich hab alles im Griff, schliesslich hab ich als 12-Jähriger schon so manchen Platten repariert. Ich pack alles wieder runter und schraub das Hinterrad auf. Aha man muss erst die Bremsen demontieren, sodass man das Rad rausbekommt. Ich probier dies, ich probier das und irgendwie, als ich einen Hebel umgelegt hab, geht die Bremse weg. Jetzt muss ich mir merken wie die Teile weggegangen sind, da ich diese später ja wieder zusammenbauen muss. Jetzt ist das Rad aus der Führung doch was ist jetzt, ich bring das Rad nicht weg, weil es noch an der Schaltung hängt. Keine Ahnung wie ich das Rad von der Schaltung weg bekommen soll. Jetzt kommt eine Radelgruppe mit ca. 30 Teilnehmer und schauen ob Sie mir helfen können. Ich bin schon etwas nervös, weil ich keine Ahnung hab, wie ich den Reifen abbekomme. Klump varreckts! Mein Puls steigt mit jeder Minute, und 3 Radler schauen mir genau auf die Finger und kommentieren sich gegenseitig was ich mache (auch Fehler die ich mache). Ich kann mich schon gar nicht mehr auf mein Fahrrad konzentrieren und höhr nur das Gegagere von den fremden Radlern. Ich überleg mir, wie ich es den Radlern klar mache, dass ich keine Zuschauer und keine Kommentatoren brauche. Von "Zefix haut's ob" bis "glei griagst oane" hab ich mir überlegt wie ich die effektivste "Hilfe Zurückweisung" formulieren soll. Ich hab mich dann doch für die Variante "hobt's nix anders zum doa" entschieden, anhand meinem Tonfall hat sofort jeder gemerkt was die Stunde geschlagen hat und alle haben augenblicklich einen 10m Sicherheitsabstand zu mir gehalten. So, jetzt hab ich sogar die Nuvinci-Schaltung abbauen können. Hoffentlich kann ich das demontierte wieder montieren, aber egal jetzt muss erst der Platten repariert werden. Ich kleb sicherheitshalber gleich mal 4 Flecken auf den Schlauch und prüf im Dorfbrunnen ob der Schlauch dicht ist. Der Schlauch ist dicht, aber der Mantel ist innen etwas eingeritzt. Hilft nichts, bis zum nächsten Fahrrad-Geschäft muss das halten. So jetzt wieder alles zusammenbauen, Susi sieht wie angespannt ich arbeite und hält die Schaulustigen auf Abstand. Geschafft, ich geh zum Händewaschen, bepacke dann mein Fahrad und versuche zu Radeln. Entweder hab ich die Schaltung nicht richtig montiert, oder die Kette ist nicht da, wo sie sein soll. Ich kann auf jeden Fall nicht radeln. Gott sei Dank ist die Kette nur ausgehängt dachte ich und wollte die Kette wieder einhängen. Aber die Kette ist genau vorne zwischen Zahnkranz und Fahradrahmen eingezwickt. Susi muss das Rad halten und mit einem Knurren halte ich die Schaulustigen auf Abstand. Irgendwie schaff ich es die Kette wieder einzuhängen. Nochmal zum Händewaschen und dann, es ist bereits 11:00h, gehts endlich los. Ich vorraus , Susi hinterher. Nach einigen Metern sagt Susi, irgendwas stimmt mit deinem Hinterrad nicht, es eiert und schaut so aus als ob ich einen 8-er hätt. Ich steig ab und begutachte das Hinterrad und schau zurück zu den Radlern mit den guten Tipp's. Ich reparier das Rad auf keinen Fall ein 3. mal und sag Susi, dass das Rad bis zum nächsten Radelgeschäft bestimmt hält. Ich hopse mit meinem Radel voraus, Susi fährt mit Ihrem Radel hinterher. Von Glurns nach Prad, weiter nach Laas, Göflan nach Latsch. Hier gibt es laut unserem Reiseführer ein Radelgeschäft, das wir auch gleich gefunden haben. Ein sehr netter und kompetenter Radelverkäufer hat alle Fahrradmäntel für Rennräder oder Mountenbikes, aber leider keine für Tourenräder. Der Radelverkäufer sagte, nach 20km in Schlanders ist das nächste Radelgeschäft. Mein Radel hat bis hierher gut funktioniert, warum soll es nicht bis Schlanders halten, also hopple ich weiter. In Schlanders haben wir das Radelgeschäft auch gleich gefunden. Im Geschäft eine Verkäuferin ca. 20 Jahre jung, tätowiert, mit einer Bum-Bum Musik im Geschäft und überhaupt keiner Ahnung von Fahrrädern. Sie suchte den Mantel bei den Schläuchen, da hab ich erkannt, die kann dir nicht weiterhelfen. Also hab ich Sie gefragt, wo das nächste Radelgeschäft Richtung Meran ist. "In Nauders" sagte Sie freundlich und erleichtert. Susi fuhr und ich hopste weiter Richtung Meran nach Nauders. Um 13:30h sind wir in Nauders bei dem Radelgeschäft angekommen. Der Radelverkäufer sperrte gerade das Geschäft zu und sagte uns, dass er jetzt eine halbe Stunde Mittag macht und dann wieder da ist, und einen Mantel in der richtigen Grösse hat er bestimmt da. Super, wir radeln zur nächsten Gaststätte und machen auch ganz entspannt Mittag. Jetzt frisch gestärkt und der Gewissheit einen passenden Mantel zu bekommen sind wir wieder beim Radelgeschäft. Der Radelverkäufer fragt mich welche Reifengrösse ich brauche: "an achdazwanzga / hundatfuchzga" sagte ich sehr höflich. Der Radelverkäufer sagte, ob ich Ihm das nochmals in Hochdeutsch sagen kann. Das hat mir in Südtirol noch niemand gesagt, ich Hochdeutsch sprechen soll. Aber gut, der Verkäufer ist auch wahrscheinlich aus Tschechien oder so also wiederhole ich die Reifengrösse in Hochdeutsch: Achtundzwanzig / hundatfuchzga"! Jetzt ist der Verkäufer schon sehr aufgeregt und sagt sehr wirsch: "bitte sagen Sie mir die Grösse nach der Schrift". So das ist mir jetzt zuviel, wenn mich der "Ausländer" nicht versteht, dann soll er selber am Reifen nachschauen, da steht's in "Schrift". Das hat er dann auch getan, ist in den Keller gegangen um den richtigen Mantel zu holen. 28/140 oder 28/160 hat er auf Lager. Da ich wieder fahren und nicht hoppeln wollte, hab ich mich für den "achdazwanzga / hundatsechzga" entschieden. "Soll ich den Mantel gleich montieren?" Hat er mich gefragt. "Ja gerne". Ich hab mein Gepäck vom Radel abgenommen und das Radel in die Werkstatt gefahren. So ein Radelhalter für die Radelreparatur ist schon viel besser wie der Radelhalter, Marke "Susi". Ich hab aber gleich gemerkt, der ist auf den technischen Radelverstand wie ich mit 12 Jahren, da gab es noch keine Nuvunci-Schaltung. Verunsichert, weil er nicht wusste wie man das Hinterrad demontiert hat der Verkäufer gesagt: "Ich hab ja schon viel Mist gesehen, aber so einen grossen Mist hab ich noch nie gesehen". Jetzt ist eine andere Kundschaft in's Geschäft gekommen und der Verkäufer musste in den Laden. Jetzt wo ich wusste wie man Bremsen und Schaltung demontiert, hab ich den Reifen in Null Komma Nix abgebaut und den Mantel und Schlauch entfernt. Ich hab mir einen neuen Schlauch aus dem Regal genommen und den Schlauch mit neuen Mantel montiert. Zum einsetzen vom Reifen brauchte ich die Hilfe vom Verkäufer. Ich halte den Reifen in der Hand, sodass der Verkäufer die Kette auflegen muss. Geschafft, der Reifen ist montiert, meine Hände relativ sauber, aber die Hände vom Verkäufer waren voll von Kettenschmiere. Ich dachte mir gute Arbeitsaufteilung, und hab dann den Schlauch, den Mantel und die Hilfsarbeit vom Verkäufer bezahlt, das Gepäck wieder aufgeladen und dann sind wir weitergefahren. Mann ist das schön wenn man wieder fahren kann und nicht hoppeln muss. Ganz entspannt sind wir dann immer leicht bergab nach Meran gefahren. Da es laut Wetterbericht am Samstag regnen soll, werden wir 2 Tage in Meran bleiben.
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flieger1962,
Montag, 29. April 2013, 2:34 PM
Radelreparatur
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